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Brandenburg

Sehenswürdigkeiten in Brandenburg

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Sehenswert

Sehenswürdigkeiten in Brandenburg: Spreewald, Potsdam und die Backsteinroute

Motorrad auf einer von hohen Bäumen gesäumten Landstraße
Allee durch den Wald

Die Mark belohnt Umwege. Die ruhigen Etappen dazwischen führen zu Zielen, die landschaftlich und kulturell zu den bekanntesten Ostdeutschlands zählen. Fast alle der folgenden Orte liegen an gut fahrbaren Land- und Nebenstraßen und lassen sich zu Tagesrunden verketten, bei denen die Anfahrt so viel hergibt wie das Ziel selbst.

Spreewald: Lübbenau und Lehde

Der Spreewald liegt rund 80 bis 100 Kilometer südöstlich von Berlin und ist das Herzstück des Südens. Lübbenau ist der klassische Ausgangspunkt für eine Kahnfahrt; von hier starten die traditionellen flachen Spreewaldkähne in die verzweigten Fließe. Besonders lohnend ist der Ortsteil Lehde – mit nur rund 130 Einwohnern, direkt am Wasser gelegen, mit Blockhäusern, gekreuzten Schlangenköpfen an den Giebeln und dem sehenswerten Freilandmuseum Lehde (An der Giglitza 1a). Das Freilandmuseum zeigt vier historische Hofanlagen aus dem gesamten Spreewald und versetzt den Besucher ins 19. Jahrhundert; geöffnet ist in der Hauptsaison (Ende März bis Ende September) täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr, im Oktober bis 17:00 Uhr, ab November geschlossen. Eine kurze Kahntour dauert etwa zwei Stunden (ab rund 10 Euro), längere Fahrten entsprechend mehr. Das Motorrad stellst du in Lübbenau ab; an der Dammstraße gibt es kostenpflichtige Parkflächen, von denen es zu Fuß rund zwei Kilometer durch die Altstadt bis nach Lehde sind – wer dem Trubel an der Kahnanlegestelle entgehen will, geht diesen Weg statt mit dem Kahn. Durch die Fließe selbst kommst du nur per Kahn, Paddelboot oder zu Fuß.

Potsdam: Sanssouci und Cecilienhof

Im Westen ist Potsdam der kulturelle Höhepunkt. Das Rokoko-Schloss Sanssouci ließ Friedrich der Große ab 1745 als Sommersitz durch den Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff errichten; es thront über den berühmten Weinbergterrassen. Der Park Sanssouci erstreckt sich über rund 290 bis 300 Hektar mit etwa 70 Kilometern Wegen und gehört seit 1990 zum UNESCO-Welterbe „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin", das insgesamt über 2.000 Hektar umfasst. Das Schloss ist in der Sommersaison Dienstag bis Sonntag ab 10:00 Uhr geöffnet (letzter Einlass gegen 17:30 Uhr), im Winter mit verkürzten Zeiten, montags geschlossen; für die Innenbesichtigung lohnt sich ein Kombiticket. Im Park verteilen sich weitere Bauten wie das Neue Palais, die Bildergalerie und die Orangerie – ein einzelner Spaziergang erschließt nur einen Bruchteil. Im Neuen Garten steht das Schloss Cecilienhof, historischer Ort der Potsdamer Konferenz von 1945 – es wird seit November 2024 saniert und ist in dieser Zeit nur eingeschränkt beziehungsweise digital zu besichtigen. Das Motorrad lässt sich an den ausgewiesenen Parkplätzen rund um den Park abstellen; innerhalb der Anlage gilt absolutes Fahrverbot.

Rheinsberg und der Norden

Das Schloss Rheinsberg steht direkt am Grienericksee im Ruppiner Seenland und gilt als Vorbild für Sanssouci: Hier verbrachte der spätere Friedrich der Große seine Kronprinzenjahre. Kurt Tucholsky setzte dem Ort 1912 mit „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte" ein literarisches Denkmal; im Schloss erinnert das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum daran. Geöffnet ist von April bis Oktober Dienstag bis Sonntag, jeweils vormittags und nachmittags mit einer Mittagspause (etwa 10:00–12:30 und 13:00–17:30 Uhr); im Winter verkürzt bis 16:00 Uhr. Es gibt Kombitickets für Schlossführung und Tucholsky-Museum. Die Anfahrt führt durch die Rheinsberger Wälder und an einer Reihe von Seen vorbei; Parkplätze liegen am Ortsrand, von dort sind es wenige Minuten zu Fuß zum Schloss und an den See.

Barnim und Märkische Schweiz

Im Nordosten bilden das Kloster Chorin, das Schiffshebewerk Niederfinow und die Märkische Schweiz ein dichtes Dreieck. Buckow, die „Perle der Märkischen Schweiz" am Schermützelsee, ist der ideale Stützpunkt für die hügeligsten Straßen Brandenburgs; in Buckow erinnert das Brecht-Weigel-Haus an die Sommer, die Bertolt Brecht und Helene Weigel hier verbrachten. Kloster Chorin und Schiffshebewerk Niederfinow sind eigene Kapitel wert und stehen weiter unten bei den Regentag-Zielen. Im Süden rundet der Branitzer Park in Cottbus das Bild ab – ein Landschaftsgarten, den Fürst Hermann von Pückler-Muskau ab 1846 anlegen ließ, mit den berühmten begrünten Erdpyramiden, von denen die größere im Pyramidensee zugleich Pücklers Grabstätte ist. Der Park ist ganzjährig frei zugänglich. Vor allen Schlössern und Klöstern gibt es bewirtschaftete oder ausgewiesene Parkplätze; das Motorrad lässt sich überall problemlos abstellen.

Kultur & Sagen

Lutki, Teufel & Stechlinsee: Sagen entlang der Route

Mit seinen weiten Wäldern, dunklen Seen und alten Gutsdörfern ist Brandenburg reich an Sagen, die über Generationen weitergegeben wurden. Sie gehören zur Kulturgeschichte der Mark und erklären, warum an manchem Findling oder Seeufer ein Name hängt, der sich sonst nicht erschließt.

Die Lutki im Spreewald

Im Spreewald, der Heimat der slawischen Sorben und Wenden, gehören die Lutki (auch Lütchen genannt) zu den bekanntesten Gestalten. Der Sage nach sind sie winzige, unterirdisch lebende Wesen, deren feine Ohren den Klang der Kirchenglocken nicht ertragen – deshalb hätten sie sich unter die Erde zurückgezogen. Manchmal, so heißt es, klopften sie bei den Menschen an, um etwas zu leihen, drückten ihren Wunsch aber stets verkehrt herum aus: „Wir wollen keinen Backtrog leihen, denn wir wollen heute nicht backen." Wer ihnen trotzdem gab, was sie brauchten, habe bei der Rückgabe ein kleines Brot als Dank erhalten. Die Lutki sind nur eine von vielen Gestalten der sorbischen Sagenwelt, die im Spreewald bis heute gepflegt wird – andere Erzählungen handeln vom Wassermann und von der Mittagsfrau, die in der Mittagshitze über die Felder geht.

Spukorte und Teufelssteine

Der Sage nach soll es an mehreren Orten der Mark umgehen – genannt werden unter anderem der Teufelssee und der Ringelturm in Lehnin. In der Märkischen Schweiz bei Buckow liegt der Teufelsstein, ein eiszeitlicher Findling, um den sich – wie um viele solcher Steine in Norddeutschland – die Erzählung rankt, der Teufel habe ihn im Zorn geschleudert. Solche Findlinge, von den Gletschern der letzten Eiszeit hierher transportiert, sind über das ganze Land verstreut und tragen fast alle ihre eigene Geschichte. Häufig kehrt das Motiv wieder, der Teufel habe einen Kirchenbau verhindern wollen und den Stein nach dem Gotteshaus geworfen – ihn aber verfehlt.

Auch die preußischen Schlösser haben ihre stillen Bewohner: Von Gespenstern in den alten Sälen wird ebenso berichtet wie von verwunschenen Seen, in denen versunkene Glocken läuten sollen. Der Stechlinsee selbst ist durch Theodor Fontanes Alterswerk „Der Stechlin" zur literarischen Legende geworden – der Sage nach steige bei großen Ereignissen in der Welt eine Wassersäule aus seiner Tiefe auf, und ein roter Hahn fliege über die aufgewühlte Fläche. Belegen lässt sich davon nichts; erzählt wird es trotzdem seit Generationen. Ein kurzer Halt an einem dieser Orte kostet zehn Minuten und macht aus der Überlieferung einen konkreten Platz.

Sehenswert

Backstein, Schlösser & Geschichte: lohnende Stopps für Regentage

Motorrad auf einem sandigen Feldweg zwischen Wiesen und Waldrand
Sandpiste zwischen den Feldern

Wenn der Himmel zumacht – in Brandenburg seltener als anderswo, aber es kommt vor –, steht eine dichte Reihe überdachter Ziele bereit. Die Mark war über Jahrhunderte preußisches Kernland, und daraus stammt eine ungewöhnliche Dichte an Schlössern, Klöstern und Backsteinbauten, die sich auch bei Regen erschließen lassen.

Backsteingotik: Kloster Chorin

Das ehemalige Zisterzienserkloster Chorin wurde 1273 an diesen Ort verlegt; bis 1334 entstanden die Gebäude in hochgotischer Form. Es gilt Kunsthistorikern als Schlüsselwerk der frühen norddeutschen Backsteingotik, und der filigrane Schmuckgiebel der Westfassade wurde zum Markenzeichen der brandenburgischen Backsteinarchitektur. Karl Friedrich Schinkel nannte den Bau „des Landes schönster Schmuck" und bewahrte ihn durch seinen Einsatz am preußischen Hof vor dem Verfall. Im Sommer ist Chorin Schauplatz des Choriner Musiksommers, der seit über 60 Jahren Konzerte in der Ruine der Klosterkirche veranstaltet – Klassik in mittelalterlichen Mauern, akustisch wie atmosphärisch ein Erlebnis. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag (Erwachsene rund 7 Euro, ermäßigt 5 Euro), ein Parkplatz für Pkw und Busse liegt in Klosternähe. Die Klosterschänke nebenan eignet sich gut für eine Pause.

Preußische Schlösser

An Regentagen spielen die Schlösser ihre Stärke aus, weil sich der Besuch dann nach innen verlagert: Bei Sanssouci sind es die kostbar ausgestatteten Räume und das berühmte Konzertzimmer, in Rheinsberg die Innenräume samt Tucholsky-Museum. Beide sind während der Saison außer montags geöffnet und tragen jeweils Stunden. Wer mehr Zeit hat, findet im weiteren Potsdamer Welterbe-Ensemble – Neues Palais, Orangerieschloss, Schloss Charlottenhof – Stoff für mehrere Schlechtwettertage.

Technikgeschichte: Schiffshebewerk Niederfinow

Ein ganz anderes Kaliber ist das Schiffshebewerk Niederfinow am Oder-Havel-Kanal. Das alte Hebewerk wurde am 21. März 1934 eingeweiht und ist das älteste noch arbeitende Schiffshebewerk Deutschlands; daneben hebt seit 2022 ein neues, rund 55 Meter hohes und 133 Meter langes Bauwerk die Schiffe. Beide überwinden einen Höhenunterschied von 36 Metern. Im Informationszentrum am neuen Hebewerk zeigen Filme den Bau und die Funktionsweise des Trogs, und ein Besucherumgang führt in luftiger Höhe direkt in die Technik. Besichtigungs- und Hebefahrten mit den Fahrgastschiffen gibt es zwischen Ende März und Ende Oktober mehrfach täglich (Erwachsene rund 6 Euro Eintritt, Kombiticket mit Führung etwa 12 Euro). Es ist ein Ziel, das auch bei Schauern beeindruckt, weil ein Großteil überdacht zu erleben ist – und für technisch Interessierte ein Höhepunkt jeder Brandenburg-Tour.

Dazu kommen die Stadtmuseen und Galerien in Potsdam, Cottbus und Brandenburg an der Havel, das Fürst-Pückler-Museum im Schloss Branitz sowie das Tucholsky-Museum im Schloss Rheinsberg. Für einen verregneten halben Tag ist die Mark bestens ausgestattet.

Sehenswert

Seen, Wälder & Weite: Naturstopps in Brandenburg

Motorrad am steinigen Ufer eines Sees
Rast am Seeufer

Die eigentliche Stärke Brandenburgs liegt in der Landschaft: Wasser, Wald und Weite, kaum Steigung, dafür ein dichtes Netz aus Seen, Fließen und Alleen. Über 3.000 Seen und eines der größten zusammenhängenden Wassersportreviere Europas sorgen dafür, dass die nächste Wasserfläche selten mehr als ein paar Kilometer entfernt liegt.

Spreewald-Biosphärenreservat

Das UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald, 1991 anerkannt, umfasst rund 47.500 Hektar Wiesen, Wälder und Niedermoore. Sein Markenzeichen ist das verzweigte Netz aus über 1.500 Kilometern Wasserläufen, davon mehr als 276 Kilometer mit dem Kahn befahrbar. Die Flussarme entstanden in der letzten Eiszeit und beherbergen eine außergewöhnlich artenreiche Tier- und Pflanzenwelt, darunter Fischotter, Eisvogel und Weißstorch. Kulturell prägen die Sorben und Wenden, die seit dem 6. Jahrhundert hier siedeln, die Region – von der zweisprachigen Beschilderung bis hin zur weltbekannten Spreewaldgurke, die als geschützte geografische Angabe nur hier so heißen darf.

Brandenburger Seenland

Das Land ist übersät mit Seen, und drei stechen heraus. Der Scharmützelsee südlich von Fürstenwalde wird seiner Größe wegen „Märkisches Meer" genannt; mit über zwölf Kilometern Länge und knapp 30 Metern Tiefe gehört er zu den größten Seen Brandenburgs. Der Werbellinsee in der Schorfheide nördlich von Berlin zählt mit rund acht Quadratkilometern Fläche und bis zu etwa 50 Metern Tiefe ebenfalls zu den größten und tiefsten Gewässern des Landes – ein langgestreckter, von Wald gesäumter See, der zu den schönsten Badezielen der Mark gehört. Der Stechlinsee im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land schließlich gilt mit bis zu 70 Metern Tiefe als tiefster See Brandenburgs und als größter Klarwassersee Norddeutschlands; an guten Tagen reicht der Blick rund elf Meter in die Tiefe. Alle drei sind hervorragende Pausenplätze – ein Stopp am Ufer, ein Sprung ins Wasser, weiter geht's.

Naturparke und Oderbruch

Die Märkische Schweiz ist mit rund 205 Quadratkilometern der kleinste und zugleich älteste Naturpark Brandenburgs, 1990 ausgewiesen. Die eiszeitlich geformte Landschaft aus Seen, Bächen, Schluchten und Laubwäldern bietet die hügeligsten Straßen des Landes; der Krugberg bei Buckow ist mit 129 Metern eine der höchsten Erhebungen und bietet einen weiten Blick über den Buckower Kessel. Der größte See des Naturparks ist der Schermützelsee mit rund 146 Hektar und etwa 40 Metern Tiefe, auf dem in der Saison ein historischer Fahrgastdampfer verkehrt. Im Norden lockt der Naturpark Uckermärkische Seen mit rund 230 Gewässern zwischen Templin und Fürstenberg, ganz im Osten das Oderbruch als stille, weite Ebene. Dazwischen ziehen sich die Alleen, im Sommer schattige grüne Tunnel.

Pausenplätze und Wasser im Gepäck

Schatten findest du in Brandenburg fast nur in den Alleen und Wäldern, weshalb sich an heißen Sommertagen ein Stopp am See lohnt. Pausenplätze gibt es reichlich: Seeufer, Klostergärten, Gutshöfe und die kleinen Gaststätten in den Dörfern. Wasser solltest du an heißen Tagen ausreichend mitführen – zwischen den Orten liegen mitunter lange, schattenlose Etappen, und nicht jedes Dorf hat noch einen geöffneten Laden.

Uckermark: weite Bögen über der Grundmoräne

Dorfkirche aus Feldstein auf einer Anhöhe hinter alten Bäumen
Feldsteinkirche auf der Dorfanhöhe

Der Nordosten fährt sich genau gegensätzlich. Zwischen Angermünde, Templin, Lychen und Prenzlau liegt eine gewellte Grundmoräne, die das Eis als flache Rücken, Kuppen und abflusslose Senken hinterlassen hat. Die Landstraßen nehmen diese Wellen in langen Bögen mit — keine Kehren, sondern Radien, die man ohne Bremseingriff durchzieht, dazwischen Kuppen, hinter denen die Sicht für ein paar Sekunden abreißt. Wer in der Uckermark auf Kurvenzahl fährt, kommt nicht auf seine Kosten; wer auf Rhythmus fährt, schon.

Die Uckermark gehört zu den am dünnsten besiedelten Landkreisen Deutschlands, und das merkt man an der Infrastruktur. Zwischen zwei Tankstellen liegen leicht vierzig Kilometer, viele Dorfgasthäuser haben nur an Wochenenden auf, und Mobilfunk ist nicht flächendeckend. Nach Osten läuft das Hügelland auf die Oder zu und endet bei Schwedt am Nationalpark Unteres Odertal, dem einzigen Auen-Nationalpark Deutschlands — eine periodisch überflutete Polderlandschaft, deren Straßen deutlich flacher und geradliniger werden. Im Herbst rasten dort und in den Seenketten um Boitzenburg große Kranichtrupps; Vogelbeobachter parken dann auch an Stellen, an denen man sie nicht erwartet.

Märkische Schweiz: hundert Höhenmeter am Stück

Hoher Backsteinturm eines historischen Gebäudes vor blauem Himmel
Backsteinturm über den Baumkronen

Östlich von Berlin liegt die einzige Ecke Brandenburgs, in der ein Motorrad wirklich Höhenmeter abarbeitet. Rund um Buckow hat Schmelzwasser Rinnen und Kessel in die Hochfläche geschnitten, die Hänge sind für norddeutsche Verhältnisse steil und bewaldet. Die Abfahrt von der Hochfläche bei Bollersdorf hinunter in den Buckower Kessel ist der bekannteste Abschnitt: enge, aufeinanderfolgende Radien mit spürbarem Gefälle, Wald zu beiden Seiten, dazwischen kurze Blicke auf die Seen.

Das Ganze ist klein. Wer die Straßen zwischen Waldsieversdorf, Pritzhagen, Bollersdorf und Buckow aneinanderreiht, kommt auf wenige Dutzend Kilometer — deshalb fahren viele hier Runden statt Strecken. Genau das macht die Region an schönen Wochenenden voll: Der Naturpark liegt eine knappe Stunde von Berlin entfernt, es sind Radfahrer, Wanderer und Ausflugsverkehr unterwegs, und die Straßen sind schmal. Unter den Bäumen bleiben feuchte Stellen bis in den späten Vormittag stehen. Wer die Ecke ernsthaft fahren will, kommt früh oder unter der Woche.

Oderbruch: Polderland bis an die Grenze

Vom Bruchrand bei Bad Freienwalde oder Wriezen fällt das Gelände in wenigen hundert Metern auf die Fläche des Oderbruchs ab, und der Streckencharakter kippt schlagartig. Statt Wald und Kuppen: ein rechtwinkliges Netz aus Straßen und Entwässerungsgräben, angelegt zusammen mit den Kolonistendörfern des 18. Jahrhunderts, deren Namen die Herkunft noch verraten. Neulietzegöricke gilt als das älteste dieser Dörfer, eine einzige lange Straßenzeile mit Fachwerkgiebeln zu beiden Seiten.

Motorrad vor einem alten Gutshaus mit Ecktürmchen
Gutshaus am Straßenrand

Fahrtechnisch ist das Bruch eine eigene Disziplin. Die Straßen liegen auf Niedermoorboden, der arbeitet: lange Setzungswellen im Asphalt, die man mit Tempo als Nickbewegung im Fahrwerk mitnimmt, dazu Querrisse an den Übergängen zu Brücken und Durchlässen. Baumbestand fehlt auf vielen Abschnitten völlig, sodass Seitenwind ungebremst über die Fläche kommt — auf einem hohen Motorrad mit Koffern ist das ein Thema. Orientierung gibt es kaum, ein Kirchturm ist oft der einzige Fixpunkt über Kilometer.

Nach Osten begrenzt die Oder alles. Bei Küstrin-Kietz und bei Hohenwutzen führen Straßenbrücken nach Polen; auf der anderen Seite liegt in Kostrzyn die weitläufige Ruine der Festungsaltstadt. Entlang des Deichs verlaufen schmale, teils asphaltierte Wege, die kein durchgehendes Netz bilden und regelmäßig als Sackgasse enden — das Bruch fährt man auf den Verbindungsstraßen zwischen den Dörfern, nicht am Wasser entlang. Tankstellen sind selten, in den kleinen Orten praktisch nicht vorhanden.

Lausitz: Rennstrecke, Tagebaukanten und junge Seen

Ganz im Süden schiebt sich der Bergbau ins Bild. Der Lausitzring bei Klettwitz, 2000 eröffnet, ist die einzige permanente Rennstrecke des Landes: ein Hochgeschwindigkeitsoval mit überhöhten Kurven, das sich mit mehreren Innenkurs-Varianten zu Rundkursen kombinieren lässt. In den Anfangsjahren fuhr dort die amerikanische CART-Serie, seit 2017 gehört das Gelände zur DEKRA und dient zusätzlich als Testfeld für automatisiertes Fahren. Renn- und Trainingsbetrieb einschließlich Motorradveranstaltungen findet weiterhin statt, das Programm wechselt allerdings von Jahr zu Jahr; einen festen, über Jahre gleichen Terminkalender wie an den großen Rennstrecken gibt es hier nicht.

Rundherum steht die Landschaft noch im Umbau. Wenige Kilometer entfernt liegt bei Lichterfeld die Abraumförderbrücke F60, über fünfhundert Meter lang und als Besucherbergwerk begehbar — das größte bewegliche Gerät, das je gebaut wurde, ohne je regulär gearbeitet zu haben. Nördlich und östlich davon füllen sich die ausgekohlten Tagebaue zum Lausitzer Seenland; Kanäle mit Schleusen verbinden inzwischen mehrere der Seen, am Sedlitzer See steht der stählerne Aussichtsturm „Rostiger Nagel" als Landmarke. Bei Cottbus läuft seit 2019 die Flutung des Ostsees, der einmal die größte Wasserfläche Brandenburgs werden soll.

Für Motorradfahrer ist das ein ungewöhnliches Revier: Die Erschließungsstraßen sind neu, breit und glatt, mit großzügigen Radien und wenig Querverkehr — aber sie führen durch eine Landschaft ohne gewachsene Struktur, in der Kippenflächen, junge Aufforstungen und blanker Sand nebeneinanderliegen. Zwei praktische Punkte: In den noch aktiven Tagebaugebieten werden Straßen verlegt oder gesperrt, ältere Kartendaten stimmen dort nicht mehr. Und der offene Sand wandert bei Wind auf die Fahrbahn, besonders an Feldkanten und frisch angelegten Böschungen.

Havelland und Potsdam: Wasser, Fähren, Pflaster

Westlich von Berlin bestimmt die Havel die Linienführung. Der Fluss zieht in weiten Schleifen durch flaches Land und weitet sich immer wieder zu Seen, sodass Straßen ständig an Ufer stoßen und ausweichen müssen. Zwischen Werder, Caputh, Ferch und Petzow liegen entsprechend viele kurze, kurvige Verbindungen dicht beieinander. Über die Havel bei Caputh setzt eine Seilfähre über, ein alter Übergang, der bis heute Fahrzeuge übernimmt und eine Rundtour um den Schwielowsee ohne großen Umweg schließt. Weiter nördlich und westlich wird es einsam: das Ländchen um Nauen, Ribbeck mit dem Gutshaus, das Fontanes Gedicht bekannt gemacht hat, dann Rathenow und die renaturierte Untere Havelniederung mit ihren Flachwasserseen.

Der Gegenpol ist Potsdam. Die Schlösser- und Parklandschaft zwischen Sanssouci, Neuem Garten, Glienicker Brücke und Sacrow ist dicht, aber sie ist auch Stadtverkehr. Konkret heißt das: Straßenbahnschienen in Längsrichtung, teils in Kurven und Einmündungen, die bei Nässe kein Halt bieten; ausgedehnte historische Pflasterflächen in den Vorstädten und an den Zufahrten zu den Parks; Tempo-30-Zonen, Baustellen und Parksuchverkehr. Wer die Schlösserlandschaft sehen will, fährt sie am besten früh am Tag an einem Werktag an und stellt das Motorrad an einem Rand ab, statt sich durch das Zentrum zu quälen. Der fahrerische Teil beginnt danach — sobald die Stadt hinter einem liegt und die Havelseen die Route wieder vorgeben.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Heidebergturm auf der Heidehöhe

Die Heidehöhe ist mit 201,4 Metern die höchste natürliche Erhebung Brandenburgs. Ein 34 Meter hoher Holzturm im Wald des Lausitzer Grenzwalls gibt den Rundblick frei, den es sonst nirgends im flachen Süden gibt.

Anfahrt
Landkreis Elbe-Elster, ab Elsterwerda (B101) über Gröden Richtung Strauch; die letzten Kilometer führen über Landstraßen an den Waldrand.
Motorrad-Parken
Kleiner Wander- und Waldparkplatz am Turmzugang, für Motorräder unproblematisch, kurzer Fußweg zum Turm.
Öffnungszeiten
frei zugänglich
Höhe/Aussicht
201,4 m ü. NHN – höchste natürliche Erhebung Brandenburgs; Aussichtsplattform in rund 30 m Höhe

Schiffshebewerk Niederfinow

Deutschlands ältestes noch betriebenes Schiffshebewerk, 1934 eröffnet: ein rund 60 Meter hoher Stahlkoloss, der Schiffe 36 Höhenmeter hebt. Seit 2022 steht der moderne Neubau daneben – ein seltenes Technik-Doppel als Foto-Stopp.

Anfahrt
Barnim, rund 8 km nordöstlich von Eberswalde über die B167 Richtung Niederfinow; direkt am Oder-Havel-Kanal ausgeschildert.
Motorrad-Parken
Ausgewiesener Besucherparkplatz direkt am Bauwerk, Platz auch für Motorräder.
Öffnungszeiten
Außenanlage frei zugänglich
Höhe/Aussicht
36 m Hubhöhe, Bauwerk rund 60 m hoch

Kloster Chorin

Zisterzienserkloster, ab 1273 am heutigen Standort errichtet und heute eine der eindrucksvollsten Ruinen der norddeutschen Backsteingotik. Kunsthistoriker zählen die Klosterkirche zu den Hauptwerken des frühen Backsteinbaus.

Anfahrt
Im Ort Chorin, rund 6 km nördlich von Eberswalde (B2, Autobahn-Abfahrt Chorin an der A11), im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin.
Motorrad-Parken
Parkplatz am Klostergelände, kurzer Fußweg zum Eingang.
Öffnungszeiten
täglich ab 9 Uhr geöffnet (im Sommer bis 18 Uhr), Eintritt kostenpflichtig

Park Sanssouci in Potsdam

Seit 1990 UNESCO-Welterbe: Friedrichs II. Rokoko-Sommerschloss von 1745–1747 über den Weinbergterrassen, eingebettet in einen weitläufigen Landschaftspark. Ein Kultur-Stopp am westlichen Rand der Region, gut mit einer Havel-Runde zu verbinden.

Anfahrt
Landeshauptstadt Potsdam, über B1/B2 bzw. die A115; Zufahrt zu den Parkeingängen, etwa Am Neuen Palais oder an der Historischen Mühle.
Motorrad-Parken
Parkflächen an den Parkeingängen (z. B. Am Neuen Palais); im Park selbst gilt Fahrverbot, weiter geht es zu Fuß.
Öffnungszeiten
Park frei zugänglich; Schlossbesichtigung nur mit Ticket

Landmarke Lausitzer Seenland ("Rostiger Nagel")

Knapp 30 Meter hoher Aussichtsturm aus rostrotem Cortenstahl am Sedlitzer See. Von der Plattform überblickt man die gefluteten Tagebau-Seen des Lausitzer Seenlands – die künstliche Wasserlandschaft, die aus der Braunkohle entstanden ist.

Anfahrt
Ab Senftenberg Richtung Sedlitz am Sedlitzer See (Lausitzer Seenland), rund 6,5 km östlich der Senftenberger Stadtmitte.
Motorrad-Parken
Parkplatz nahe dem Turm, kurzer Fußweg über den Damm zum Aufgang.
Öffnungszeiten
frei zugänglich (bei Sturm, Nässe und Frost gesperrt)
Höhe/Aussicht
28,86 m hoher Turm, Plattform in rund 27 m Höhe; Blick über den Sedlitzer See

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