Wald, Wasser und Tierwelt — was sich gerade verändert und wo man es sieht.
Sehenswert
Sehenswürdigkeiten in Brandenburg: Spreewald, Potsdam und die Backsteinroute
Waldstraße durch Kiefern und Birken in der Uckermark
Die Mark belohnt Umwege. Die ruhigen Etappen dazwischen führen zu Zielen, die landschaftlich und kulturell zu den bekanntesten Ostdeutschlands zählen. Fast alle der folgenden Orte liegen an gut fahrbaren Land- und Nebenstraßen und lassen sich zu Tagesrunden verketten, bei denen die Anfahrt so viel hergibt wie das Ziel selbst.
Spreewald: Lübbenau und Lehde
Der Spreewald liegt rund 80 bis 100 Kilometer südöstlich von Berlin und ist das Herzstück des Südens. Lübbenau ist der klassische Ausgangspunkt für eine Kahnfahrt; von hier starten die traditionellen flachen Spreewaldkähne in die verzweigten Fließe. Besonders lohnend ist der Ortsteil Lehde – mit nur rund 130 Einwohnern, direkt am Wasser gelegen, mit Blockhäusern, gekreuzten Schlangenköpfen an den Giebeln und dem sehenswerten Freilandmuseum Lehde (An der Giglitza 1a). Das Freilandmuseum zeigt vier historische Hofanlagen aus dem gesamten Spreewald und versetzt den Besucher ins 19. Jahrhundert; geöffnet ist in der Hauptsaison (Ende März bis Ende September) täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr, im Oktober bis 17:00 Uhr, ab November geschlossen. Eine kurze Kahntour dauert etwa zwei Stunden (ab rund 10 Euro), längere Fahrten entsprechend mehr. Das Motorrad stellst du in Lübbenau ab; an der Dammstraße gibt es kostenpflichtige Parkflächen, von denen es zu Fuß rund zwei Kilometer durch die Altstadt bis nach Lehde sind – wer dem Trubel an der Kahnanlegestelle entgehen will, geht diesen Weg statt mit dem Kahn. Durch die Fließe selbst kommst du nur per Kahn, Paddelboot oder zu Fuß.
Potsdam: Sanssouci und Cecilienhof
Im Westen ist Potsdam der kulturelle Höhepunkt. Das Rokoko-Schloss Sanssouci ließ Friedrich der Große ab 1745 als Sommersitz durch den Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff errichten; es thront über den berühmten Weinbergterrassen. Der Park Sanssouci erstreckt sich über rund 290 bis 300 Hektar mit etwa 70 Kilometern Wegen und gehört seit 1990 zum UNESCO-Welterbe „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin", das insgesamt über 2.000 Hektar umfasst. Das Schloss ist in der Sommersaison Dienstag bis Sonntag ab 10:00 Uhr geöffnet (letzter Einlass gegen 17:30 Uhr), im Winter mit verkürzten Zeiten, montags geschlossen; für die Innenbesichtigung lohnt sich ein Kombiticket. Im Park verteilen sich weitere Bauten wie das Neue Palais, die Bildergalerie und die Orangerie – ein einzelner Spaziergang erschließt nur einen Bruchteil. Im Neuen Garten steht das Schloss Cecilienhof, historischer Ort der Potsdamer Konferenz von 1945 – es wird seit November 2024 saniert und ist in dieser Zeit nur eingeschränkt beziehungsweise digital zu besichtigen. Das Motorrad lässt sich an den ausgewiesenen Parkplätzen rund um den Park abstellen; innerhalb der Anlage gilt absolutes Fahrverbot.
Rheinsberg und der Norden
Das Schloss Rheinsberg steht direkt am Grienericksee im Ruppiner Seenland und gilt als Vorbild für Sanssouci: Hier verbrachte der spätere Friedrich der Große seine Kronprinzenjahre. Kurt Tucholsky setzte dem Ort 1912 mit „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte" ein literarisches Denkmal; im Schloss erinnert das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum daran. Geöffnet ist von April bis Oktober Dienstag bis Sonntag, jeweils vormittags und nachmittags mit einer Mittagspause (etwa 10:00–12:30 und 13:00–17:30 Uhr); im Winter verkürzt bis 16:00 Uhr. Es gibt Kombitickets für Schlossführung und Tucholsky-Museum. Die Anfahrt führt durch die Rheinsberger Wälder und an einer Reihe von Seen vorbei; Parkplätze liegen am Ortsrand, von dort sind es wenige Minuten zu Fuß zum Schloss und an den See.
Barnim und Märkische Schweiz
Im Nordosten bilden das Kloster Chorin, das Schiffshebewerk Niederfinow und die Märkische Schweiz ein dichtes Dreieck. Buckow, die „Perle der Märkischen Schweiz" am Schermützelsee, ist der ideale Stützpunkt für die hügeligsten Straßen Brandenburgs; in Buckow erinnert das Brecht-Weigel-Haus an die Sommer, die Bertolt Brecht und Helene Weigel hier verbrachten. Kloster Chorin und Schiffshebewerk Niederfinow sind eigene Kapitel wert und stehen weiter unten bei den Regentag-Zielen. Im Süden rundet der Branitzer Park in Cottbus das Bild ab – ein Landschaftsgarten, den Fürst Hermann von Pückler-Muskau ab 1846 anlegen ließ, mit den berühmten begrünten Erdpyramiden, von denen die größere im Pyramidensee zugleich Pücklers Grabstätte ist. Der Park ist ganzjährig frei zugänglich. Vor allen Schlössern und Klöstern gibt es bewirtschaftete oder ausgewiesene Parkplätze; das Motorrad lässt sich überall problemlos abstellen.
Sehenswert
Seen, Wälder & Weite: Naturstopps in Brandenburg
Allee durch den Wald
Die eigentliche Stärke Brandenburgs liegt in der Landschaft: Wasser, Wald und Weite, kaum Steigung, dafür ein dichtes Netz aus Seen, Fließen und Alleen. Über 3.000 Seen und eines der größten zusammenhängenden Wassersportreviere Europas sorgen dafür, dass die nächste Wasserfläche selten mehr als ein paar Kilometer entfernt liegt.
Spreewald-Biosphärenreservat
Das UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald, 1991 anerkannt, umfasst rund 47.500 Hektar Wiesen, Wälder und Niedermoore. Sein Markenzeichen ist das verzweigte Netz aus über 1.500 Kilometern Wasserläufen, davon mehr als 276 Kilometer mit dem Kahn befahrbar. Die Flussarme entstanden in der letzten Eiszeit und beherbergen eine außergewöhnlich artenreiche Tier- und Pflanzenwelt, darunter Fischotter, Eisvogel und Weißstorch. Kulturell prägen die Sorben und Wenden, die seit dem 6. Jahrhundert hier siedeln, die Region – von der zweisprachigen Beschilderung bis hin zur weltbekannten Spreewaldgurke, die als geschützte geografische Angabe nur hier so heißen darf.
Brandenburger Seenland
Das Land ist übersät mit Seen, und drei stechen heraus. Der Scharmützelsee südlich von Fürstenwalde wird seiner Größe wegen „Märkisches Meer" genannt; mit über zwölf Kilometern Länge und knapp 30 Metern Tiefe gehört er zu den größten Seen Brandenburgs. Der Werbellinsee in der Schorfheide nördlich von Berlin zählt mit rund acht Quadratkilometern Fläche und bis zu etwa 50 Metern Tiefe ebenfalls zu den größten und tiefsten Gewässern des Landes – ein langgestreckter, von Wald gesäumter See, der zu den schönsten Badezielen der Mark gehört. Der Stechlinsee im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land schließlich gilt mit bis zu 70 Metern Tiefe als tiefster See Brandenburgs und als größter Klarwassersee Norddeutschlands; an guten Tagen reicht der Blick rund elf Meter in die Tiefe. Alle drei sind hervorragende Pausenplätze – ein Stopp am Ufer, ein Sprung ins Wasser, weiter geht's.
Naturparke und Oderbruch
Die Märkische Schweiz ist mit rund 205 Quadratkilometern der kleinste und zugleich älteste Naturpark Brandenburgs, 1990 ausgewiesen. Die eiszeitlich geformte Landschaft aus Seen, Bächen, Schluchten und Laubwäldern bietet die hügeligsten Straßen des Landes; der Krugberg bei Buckow ist mit 129 Metern eine der höchsten Erhebungen und bietet einen weiten Blick über den Buckower Kessel. Der größte See des Naturparks ist der Schermützelsee mit rund 146 Hektar und etwa 40 Metern Tiefe, auf dem in der Saison ein historischer Fahrgastdampfer verkehrt. Im Norden lockt der Naturpark Uckermärkische Seen mit rund 230 Gewässern zwischen Templin und Fürstenberg, ganz im Osten das Oderbruch als stille, weite Ebene. Dazwischen ziehen sich die Alleen, im Sommer schattige grüne Tunnel.
Pausenplätze und Wasser im Gepäck
Schatten findest du in Brandenburg fast nur in den Alleen und Wäldern, weshalb sich an heißen Sommertagen ein Stopp am See lohnt. Pausenplätze gibt es reichlich: Seeufer, Klostergärten, Gutshöfe und die kleinen Gaststätten in den Dörfern. Wasser solltest du an heißen Tagen ausreichend mitführen – zwischen den Orten liegen mitunter lange, schattenlose Etappen, und nicht jedes Dorf hat noch einen geöffneten Laden.
Natur
Spreewald: Fahren im Maßstab der Fließe
Wer von Süden her in den Spreewald hineinfährt, merkt nach wenigen Kilometern, dass sich der Maßstab ändert. Das Straßennetz folgt hier nicht der Geländeform, sondern den Lücken zwischen den Wasserläufen. Die Spree teilt sich in ein Geflecht aus Fließen, und jede Querung kostet eine Brücke — meist schmal, oft einspurig geregelt, gelegentlich direkt hinter einer Kurve. Zwischen den Brücken liegen Ortsdurchfahrten, die lange vor dem Automobil angelegt wurden: Fahrbahnen, auf denen zwei Transporter nicht ohne Rangieren aneinander vorbeikommen, Grundstückszufahrten im Zehn-Meter-Takt, Tempo 30 über lange Abschnitte.
Sandpiste zwischen den Feldern
Für das Motorrad bedeutet das dritter Gang, weiter Blick, keine Ambitionen. Der Reiz liegt im schnellen Wechsel der Kulissen: Erlenbruch, dann eine offene Wiesenzunge, dann ein Gehöft mit Kahnanleger im Vorgarten. Burg zieht sich als Streusiedlung über etliche Kilometer ohne erkennbaren Ortskern — wer dort eine Adresse sucht, plant Zeit ein. Straupitz mit seiner nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel gebauten Kirche und der Holländermühle steht schon am Übergang zum offeneren Land, Schlepzig markiert den ruhigeren Unterspreewald, in dem der Ausflugsverkehr spürbar nachlässt.
Drei Eigenheiten prägen das Revier: Entwässerungsgräben unmittelbar neben dem Asphalt, ohne nennenswertes Bankett dazwischen. Viel Radverkehr auf schmalen Straßen. Und Landwirtschaft, die dieselben Wege als Zufahrt nutzt. Ein Ausweichen nach rechts ist an vielen Stellen schlicht nicht vorgesehen — das ist der eigentliche Unterschied zum Rest des Landes.