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Brandenburg

Die Motorrad-Reviere in Brandenburg

Jede Ecke fährt sich anders – hier steht, welche wie.

Brandenburg umschließt Berlin und gilt vielen als flache Durchfahrt auf dem Weg zur Ostsee. Wer nur die Autobahn kennt, verpasst ein Revier aus stillen Alleen, Seenketten, Klosterlandschaften und einer der größten Rennstrecken Deutschlands. Die Reize liegen verstreut, man muss sie sich zusammensuchen: ein Endmoränen-Hügel hier, ein trockengelegtes Bruch dort, dazwischen kilometerlange Baumtunnel über oft rauem Untergrund. Was die einzelnen Ecken fürs Motorrad taugen, steht hier.

Alleen, Pflaster, Plattenwege – der Untergrund als Fahrfaktor

Motorrad auf einer Straße durch lichten Kiefern- und Birkenwald
Waldstraße durch Kiefern und Birken in der Uckermark

Brandenburg fährt sich überwiegend flach, der eigentliche Charakter liegt weniger in Kurven als im Belag. Das Land hat die höchste Alleendichte Deutschlands; über hunderte Kilometer säumen Eichen, Linden und Kastanien die Landstraßen zu schattigen Tunneln. Das gibt einen eigenen Rhythmus, fordert aber Respekt: Baumwurzeln heben den Asphalt, im Herbst liegt nasses Laub in den Kurven, und die Stämme stehen dicht am Fahrbahnrand. Dazu kommen historisches Kopfsteinpflaster in vielen Dorfdurchfahrten und alte DDR-Betonplattenstraßen, deren Fugen im Sekundentakt durchschlagen — bei Nässe beides tückisch. Wer das einkalkuliert, fährt entspannt; wer Alpenkurven erwartet, wird enttäuscht.

Märkische Schweiz – das Hügelland um Buckow

Motorrad auf einem sandigen Feldweg zwischen Wiesen und Waldrand
Sandpiste zwischen den Feldern

Um Buckow wölbt sich die Märkische Schweiz, ein kleines Endmoränen-Hügelland aus der letzten Eiszeit mit Seen, Schluchten und bewaldeten Hängen. Hier gibt es, was dem Rest des Landes fehlt: kurze, wellige Abschnitte mit echtem Auf und Ab. Theodor Fontane beschrieb die Gegend in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg", Bertolt Brecht und Helene Weigel hatten in Buckow ihr Sommerhaus. Der Naturpark ist überschaubar — für einen halben Tag mit Abstechern an den Schermützelsee reicht die Kurvendichte, für mehr nicht.

Ruppiner Land & Rheinsberg – Seen, Schloss und Fontane

Motorrad am steinigen Ufer eines Sees
Rast am Seeufer

Nordwestlich von Berlin dehnt sich das Ruppiner Seenland mit dem langgestreckten Ruppiner See. Neuruppin, nach dem Stadtbrand von 1787 klassizistisch und schnurgerade wieder aufgebaut, ist Geburtsort von Theodor Fontane und Karl Friedrich Schinkel. Reizvoller fürs Motorrad ist die Fahrt weiter nach Rheinsberg: Das Schloss am Grienericksee war Wohnsitz des Kronprinzen Friedrich und lieferte Kurt Tucholsky den Stoff für sein Buch. Die Landstraßen durch die Kiefernwälder und an den Seen entlang sind ruhig und gut zu fahren, das Schloss ein lohnender Wendepunkt.

Natur

Schorfheide & Werbellinsee – Waldrevier nördlich von Berlin

Dorfkirche aus Feldstein auf einer Anhöhe hinter alten Bäumen
Feldsteinkirche auf der Dorfanhöhe

Zwischen Berlin und der Uckermark liegt die Schorfheide, ein weites Wald- und Seengebiet, heute UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Der tiefe Werbellinsee ist ihr Zentrum; über Jahrhunderte war das Gebiet Jagdrevier der Mächtigen, von den Hohenzollern bis zur DDR-Führung. Fürs Motorrad zählen die langen, gut ausgebauten Waldstraßen mit sanftem Schwung und wenig Verkehr. Am Rand lohnt die Klosterruine Chorin, ein Hauptwerk der norddeutschen Backsteingotik. Weiter südlich schließt der Naturpark Barnim mit dem Liepnitzsee an — beliebtes, aber enges Ausflugsgebiet direkt vor der Stadtgrenze.

Uckermark – Seenland und leere Straßen im Norden

Hoher Backsteinturm eines historischen Gebäudes vor blauem Himmel
Backsteinturm über den Baumkronen

Die Uckermark ganz im Norden ist eiszeitlich geformtes Seenland: sanfte Hügel, klare Seen, große Wälder, dazwischen alte Backsteinstädte wie Templin, Angermünde und Prenzlau am Uckersee. Es ist eine der am dünnsten besiedelten Gegenden Deutschlands, und genau das ist der Wert: über Kilometer keine Ampel, kein Ort, nur Allee und Feld. An der Oder grenzt der Nationalpark Unteres Odertal an, Deutschlands einziger Auen-Nationalpark; im Herbst rasten hier und in den umliegenden Brüchen tausende Kraniche. Wer leere Landstraßen und Natur sucht, fährt hierhin.

Oderbruch – Friedrichs trockengelegte Weite

Motorrad vor einem alten Gutshaus mit Ecktürmchen
Gutshaus am Straßenrand

Östlich davon öffnet sich das Oderbruch, eine flache Niederung an der polnischen Grenze, die Friedrich der Große Mitte des 18. Jahrhunderts trockenlegen und besiedeln ließ. Schnurgerade Deich- und Alleestraßen ziehen durch ein Land aus Feldern, Gräben und Storchendörfern; Verkehr gibt es kaum. Über Seelow — bekannt durch die Schlacht an den Seelower Höhen 1945 — und Lebus führen ruhige Wege am Fluss entlang. Hier ist Brandenburg am weitesten und am stillsten, ein Revier für Fernblick und gleichmäßiges Rollen, nicht für Schräglage.

Frankfurt (Oder), Neiße & Neuzelle – die Grenzkante

Weiter südlich markiert die Oder die Grenze zu Polen. Frankfurt (Oder), Geburtsstadt Heinrich von Kleists und Sitz der Europa-Universität Viadrina, liegt der polnischen Schwesterstadt Słubice direkt gegenüber, eine Brücke verbindet beide über den Fluss. Südlich davon, oberhalb der Oderniederung, steht das Zisterzienserkloster Neuzelle — als „Barockwunder Brandenburgs" die prächtigste Klosteranlage der Region, mit Klosterkirche, Barockgarten und eigener Schwarzbier-Brauerei. Die Grenzstraßen an Oder und Neiße sind eben und wenig befahren, gut für lange, ruhige Etappen bis in die Lausitz.

Havelland & Brandenburg an der Havel – Flusslandschaft im Westen

Westlich von Berlin mäandert die Havel durch das Havelland, eine Landschaft aus Flussarmen, Seen, Obstwiesen und Dörfern — literarisch verewigt in Fontanes „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland". Werder (Havel) mit seiner Insel-Altstadt und den Streuobsthängen ist ein beliebter Stopp. Namensgeber des ganzen Landes ist Brandenburg an der Havel, eine der ältesten Städte der Mark, auf Havelinseln gebaut, mit dem Dom St. Peter und Paul auf der Dominsel und mehreren gotischen Backsteinkirchen. Die Straßen am Wasser sind flach, aber abwechslungsreicher als das offene Bruch, mit vielen Brücken und Uferblicken.

Sehenswert

Spreewald – Fließe, Kähne, Pflichtstopp

Im Süden verzweigt sich die Spree zum Spreewald, einem UNESCO-Biosphärenreservat aus hunderten kleinen Wasserläufen, den Fließen. Durch die Auen bewegt man sich klassisch im flachen Kahn, nicht auf dem Motorrad — Lübbenau und das autofreie Dorf Lehde sind die Ausgangspunkte, dazu die sorbische Kultur und die bekannten Spreewaldgurken. Als Fahrrevier taugt der Wald nicht, als Zwischenstopp auf einer Südbrandenburg-Runde ist er gesetzt.

Potsdam – Schlösserstadt vor den Toren Berlins

Potsdam, die Landeshauptstadt, versammelt auf engem Raum das dichteste Kulturprogramm des Landes: das Rokokoschloss Sanssouci mit seinem weitläufigen Park, das Neue Palais, das Holländische Viertel, Schloss Cecilienhof als Ort der Potsdamer Konferenz 1945 und die Glienicker Brücke, über die im Kalten Krieg Agenten getauscht wurden. Die Schlösser und Parks gehören zum UNESCO-Welterbe. Gefahren wird hier wenig — Potsdam ist der Kulturhalt, nicht die Strecke.

Lausitzring & Lausitzer Seenland – Rennstrecke und junge Wasserwelt

Ganz im Süden, in der Niederlausitz, liegt der Lausitzring bei Klettwitz, eine der großen modernen Rennstrecken Deutschlands und heute auch Test- und Veranstaltungsgelände. Für Motorradfahrer ist er das Ziel für Trackdays und Fahrsicherheitstraining; Termine und Anmeldung laufen über den Betreiber. Ringsum entsteht das Lausitzer Seenland: Aus ausgekohlten Braunkohle-Tagebauen wird durch Flutung Europas größte künstliche Seenkette, teils schon per Kanal schiffbar verbunden. Eine junge, weite Landschaft mit neu gebauten, glatten Straßen — und dem seltenen Reiz, einer Region beim Entstehen zuzusehen.

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